Midijob

Rund 3,5 Millionen Menschen sind in Deutschland in Midijobs beschäftigt. Dies zeigt bereits das große Potenzial dieser speziellen Variante der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Durch reduzierte Sozialversicherungsbeiträge kann sich der Arbeitnehmer ein höheres Gehalt sichern und zugleich die volle soziale Absicherung genießen. Und auch für Arbeitgeber ist das Modell dank einer geringeren Beitragsbelastung eine gute Alternative zum Minijob.

Midijob im HR-Glossar von rexx systems

Entwicklung des Midijobs

Der Midijob wurde 2003 als „Gleitzonenjob“ eingeführt. Diese Bezeichnung spielt darauf an, dass es sich um einen gleitenden Übergang zum normalen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis handelt. 2019 wurde der Begriff der „Beschäftigung im Übergangsbereich“ normiert. Gleichzeitig erweiterte der Gesetzgeber die Gleitzone deutlich: Während der Midijob zuvor nur für Entgelte bis maximal 850 Euro galt, erstreckt er sich heute auf Verdienste zwischen 450,01 und 1.300 Euro.

Die Besonderheit des Midijobs ist der Umgang mit den Sozialversicherungsbeiträgen. Der Arbeitgeber leistet dieselben Beiträge, wie sie auch bei einem normalen Arbeitsverhältnis anfallen würden. Der Arbeitnehmer jedoch zahlt lediglich reduzierte Beiträge. Diese liegen zwischen 11 und 20 Prozent und steigen mit wachsendem Entgelt an. Wer beispielsweise 800 Euro verdient, zahlt prozentual weniger Beiträge als ein Arbeitnehmer mit einem Gehalt von 1.200 Euro.

Wie sich der Midijob auf die Rentenversicherungsansprüche auswirkt

Früher war der Midijob aus Sicht der Beschäftigten wenig attraktiv, da sie wegen der verringerten Beiträge zur Rentenversicherung auch niedrigere Rentenansprüche erwarben. 2019 kam es hier zu einer Neuregelung. Seither erhalten Arbeitnehmer die vollen Rentenpunkte, die sie im Falle eines normalen sozialversicherungspflichten Arbeitsverhältnisses erwirtschaften würden. Damit haben sie auch den vollen Anspruch auf eine etwaige Erwerbsminderungsrente.

Zielgruppe: Wer kann den Midijob in Anspruch nehmen?

Der Midijob richtet sich an all jene Mitarbeiter, die die Einkommensgrenze des Minijobs von 450 Euro überschreiten – und wenn auch nur um einen Cent –, aber mit dem Verdienst unter 1.300 Euro bleiben. Ohne die Gleitzonenregelung müsste der Beschäftigte sofort die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Somit würde es sich nicht lohnen, den Minijobbereich zu verlassen. Diese Lücke schließt der Gleitzonenjob.

Allerdings gibt es einige Personengruppen und Fälle, in denen der Midijob nicht nutzbar ist, auch wenn das Einkommen die erforderliche Höhe aufweist:

  • Auszubildende
  • duale Studenten und Praktikanten
  • freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr
  • Kurzarbeit
  • während einer Wiedereingliederungsmaßnahme
  • Kombination von Midijob und einer weiteren Beschäftigung

Vorteile eines Midijobs für Arbeitnehmer

Die größten Vorteile ergeben sich durch den Midijob für den Beschäftigten:

  • Reduzierte Sozialversicherungsbeiträge: Der Arbeitnehmer zahlt weniger Beiträge, somit bleibt ihm mehr Geld übrig.
  • Volle soziale Absicherung: Obwohl der Mitarbeiter nur reduzierte Sozialversicherungsbeiträge zahlt, hat er den vollen Anspruch auf Leistungen aus den Versicherungszweigen, etwa Krankengeld bei einer Erkrankung, Rentenansprüche und Arbeitslosengeld für bis zu zwölf Monate.
  • Nebenbeschäftigung: Ein Midijob lässt sich ohne Nachteile mit einem Minijob kombinieren. So können Beschäftigte maximal 1.750 Euro pro Monat verdienen und dabei von günstigeren Sozialversicherungsbeiträgen profitieren.
  • Lohnsteuer: Die Höhe der zu zahlenden Lohnsteuer ist deutlich geringer als beim normalen Arbeitsverhältnis. Bei einem Verdienst unter 1.000 Euro entfällt sie häufig sogar komplett.

Vorteile eines Midijobs für Arbeitgeber

Für Arbeitgeber hat der Midijob an sich nur geringfügige Vorteile. Im Vergleich zum Minijob sind jedoch die Sozialversicherungsbeiträge niedriger. Bei einem Minijob liegen die monatlichen Abgaben bei über 30 Prozent des Minijobgehalts. Beim Midijob hingegen betragen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung nur knapp 20 Prozent.

Außerdem bietet der Gleitzonenjob etwas mehr Spielraum bezüglich der Arbeitszeit: Wird im Rahmen eines Minijobs der Maximalbetrag bereits ausgeschöpft, muss im Fall einer Lohnerhöhung die Wochenarbeitszeit gekürzt werden, um eine Überschreitung zu vermeiden.

Die Formel mit dem Faktor F: Berechnung der Beiträge im Midijob

Die mit zunehmendem Verdienst anwachsende Beitragsbelastung berechnet sich anhand dieser komplexen Formel:

Gleitzonenentgelt = F x 450 + ((1300 : (1300 – 450)) – (450 : (1300 – 450)) x F) x (Monatsbrutto – 450)

Das Bundesministerium für Gesundheit sowie das Ministerium für Arbeit und Soziales geben jährlich den Faktor F heraus. Dieser spiegelt die Beitragssätze wider, die die Arbeitgeber durchschnittlich entrichten müssen. 2021 lag der Faktor F bei 0,7509.

Berechnungsbeispiel:

Der Beschäftigte verdient 1.050 Euro monatlich. Der Beitrag zur Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent. Anhand der Formel ergibt sich ein den Beiträgen zugrunde zu legendes Gleitzonenentgelt von 1.017,03 Euro. Basierend darauf belaufen sich die SV-Beiträge auf 198,09 Euro. Der Arbeitgeber zahlt hingegen 208,69 Euro, da seine Sozialversicherungsbeiträge auf der Basis des vollen Entgelts von 1.050 Euro berechnet werden.

Häufige Fragen rund um den Midijob

Lässt sich ein Midijob mit weiteren Arbeitsverhältnissen verbinden?

Bei dieser Frage müssen mehrere Konstellationen unterschieden werden:

Kombination mit … Auswirkungen
einem zweiten Midijob dürfen zusammengerechnet die Gleitzonengrenze von 1.300 Euro nicht überschreiten, um die günstigeren Beiträge nutzen zu können
einem Minijob Kombination problemlos möglich
zwei Minijobs Addition eines Minijobs zum Midijob; bei Überschreitung der Grenze von 1.300 Euro tritt Sozialversicherungspflicht in voller Höhe ein
einem SV-pflichtigen Arbeitsverhältnis keine Gleitzonenregelung möglich

Wie funktioniert der Midijob bei schwankendem Entgelt?

Ist der Verdienst nicht jeden Monat identisch, zieht der Arbeitgeber Durchschnittswerte oder Schätzungen heran, um die abzuführenden Beiträge zu ermitteln.

Worauf ist bei der Arbeitszeit zu achten?

Für Midijobber gelten die üblichen Rechtsvorschriften zu Höchstarbeitszeiten, Pausen und Ruhezeiten. Hinzu kommt die Begrenzung der maximal zulässigen Wochenstunden durch die Lohnobergrenze und den Mindestlohn. Ab dem 1. Januar 2022 beträgt der Mindestlohn 9,82 Euro pro Stunde. Bei einer Gleitzonengrenze von 1.300 Euro dürfen monatlich höchstens 132,38 Stunden gearbeitet werden. Sobald der Mindestlohn wie bereits beschlossen zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro ansteigt, sinkt die maximal mögliche Arbeitszeit auf 124,4 Stunden pro Monat.

Wie sind Midijobber anzumelden?

Im Gegensatz zum Minijob werden Midijobber nicht über die Minijobzentrale angemeldet, sondern regulär über die Sozialversicherungsträger. Der Aufwand dafür ist also mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vergleichbar.

 

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18. November 2021

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