„Stutenbissigkeit“: Was ist dran und wie im Job damit umgehen?

Frauen sind eigentlich auf Harmonie getrimmt, zeigen sich – O-Ton Frauen über Frauen – aber oft „stutenbissig“ im Berufsleben. Das ist Ausdruck von Konkurrenzdenken, während Männer den Kampf um die Karriereleiter eher sportlich sehen. Wie können HR-Mitarbeitende hier den Ausgleich schaffen? Eines Vorab: Dieser Artikel wurde nicht von einem Mann geschrieben.

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Folgendes Szenario lässt sich in vielen deutschen Talkshows beobachten: Ein geringer Anteil an beteiligten Frauen, die noch seltener zu Wort kommen beziehungsweise sehr oft das Wort von ihren männlichen Gesprächspartnern abgeschnitten bekommen. Da wundert es einen nicht, wenn Frauen im Arbeitsumfeld oftmals die Krallen ausfahren. Denn ein Stück spiegelt das auch die Situation wider, die Frauen hierzulande im Job erleben. Anders als in anderen Industriestaaten wie China haben es deutsche Frauen immer noch schwer, in die obersten Führungsgremien zu gelangen. Das mag auch an dem aus den 1950er Jahren überlieferten Bild vom Heimchen am Herd liegen, das bis heute bei vielen deutschen Männern immer noch vorzuherrschen scheint.

Frauen genießen oft weniger Vertrauen …

Was das Vertrauen von Frauen an der Unternehmensspitze angeht, war der ehemalige Allianz-Chef Michael Diekmann fast so etwas wie eine Ausnahme, hat er doch in seinen Reihen zwischen 2003 und 2015 Frauen gefördert und in den Vorstand berufen. Anders als Diekmann scheinen auch viele Männer ihre Kolleginnen immer noch nicht als zu ihrer Riege oder ihrem engeren Netzwerk zugehörig zu empfinden.

Allerdings erlebt man auch immer wieder, dass Frauen im Beruf und besonders auf dem Weg zu Führungspositionen gegeneinander arbeiten, während Männer – aus dem Sportverein von klein auf gewöhnt – sich eher zu stützen versuchen, um gemeinsam die Karriereleiter zu erklimmen. Tatsächlich stehen sich Frauen im Job oft in Konkurrenz gegenüber, Männer hingegen im Wettbewerb. So beschreibt es Business-Coach und Machtexpertin Doris Cornils in einem Gastbeitrag bei Persoblogger.de ein Phänomen, das schon in der Kindheit angelegt ist.

… weil sie nicht Teil, der Männerriege sind

Mädchen lernen demnach von klein auf Beziehungsspiele, die innerhalb des sozialen Geschlechterrollenlernens erst zwischen wenigen anderen, im Laufe der Pubertät zwischen zwei Mädchen erfolgen. Jungs dagegen erlernen dies üblicherweise innerhalb einer Gruppe beziehungsweise in ihrem sozialen Netzwerk, wie man es heute dagegen würde.

Mädchen und junge Frauen haben zu Hause aber, das sei hier hinzugefügt, immer noch oft das Nachsehen gegenüber ihren Brüdern. Ihnen wird von klein auf immer noch diese gewisse empathische Rolle zugewiesen, selber zurückzustecken und anderen den Vortritt zu lassen. Das nährt natürlich ein unterschwelliges Konkurrenzdenken und einen gewissen Hang, gefallen zu wollen. Heute vor allem durch schulische Leistungen, in denen sie oft besser sind. Aussehen spielt für Mädchen, besonders im Teenager-Alter natürlich auch eine Rolle, wenn es etwa darum geht, den angesagtesten Jungs zu gefallen. Aus Mädchenfreundschaften werden darüber manchmal Mädchenfeindschaften. Dann herrscht Zickenkrieg und diese Stutenbissigkeit beginnt, die gerade Frauen sich gegenseitig im Job oft unterstellen.

Prägende Kinderspiele: von Lego zu MINT-Fächern

Rollenbilder-prägen-BerufslebenInteressanterweise verfügen Frauen, die als Kinder mit Jungs und Lego oder dergleichen aufgewachsen sind, Cornils zufolge über ähnliche Sozialisationserfahrungen wie ihre Brüder und fühlen sie sich in männerdominierten Berufsfeldern häufig „wohler“ als unter Frauen. Sie tendieren später auch mehr zu MINT-Berufen (Mathematik, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften und Technik) mit dann überwiegend männlichen Kollegen.

Bei Beziehungsspielen lernen die Mädchen zu kooperieren oder konkurrieren. Dabei sind Kooperation und Konkurrenz laut Cornils nicht etwa zwei Seiten einer Medaille, sondern ein entweder oder: Entweder sind sie Freundinnen oder Feindinnen beziehungsweise Rivalinnen, entweder sie kooperieren oder konkurrieren um das bessere Aussehen, den besseren Freund respektive Mann oder das bessere Standing im Job, so die Autorin. Sie verweist auf die von ihr mitverfasste Studie „Mikropolitik und Aufstiegskompetenz von Frauen“ an der Universität Hamburg (2009-2012). Dort konnte man ihrer Meinung nach recht eindrucksvoll nachzeichnen, dass Frauen beim Aufstieg in Führungspositionen untereinander wie gesagt tendenziell eher in Konkurrenz und Männer im Wettbewerb miteinander treten. Die Konkurrenz unter Frauen werde auch persönlich genommen und gehe tatsächlich oft in Richtung „Zickenstereotyp“, wie Cornils es nennt.

Aufruf zur Solidarität statt „Stutenbissigkeit“

Solidarität-statt-StuttenbissigkeitGeraten Frauen in diesen „Zickenkrieg“ gegeneinander, sind sie oft streitorientiert, fallen sie sich gegenseitig in den Rücken und verhalten sie sich unsolidarisch – eigentlich ganz entgegen dem auf Ausgleich und Harmonie bedachten Rollenbild in ihrer Erziehung. „Das System Stutenbissigkeit ist so gemein wie simpel“, schreibt Fiona Rohde in gofeminin und weiter: „Die (weibliche) Konkurrenz wird schlecht gemacht, ‚weggebissen‘. Entweder werben Frauen bei männlichen Kollegen und Vorgesetzten für sich selbst durch eindeutige Signale (Flirten, Lächeln, Schminke, Kleidung). Oder sie versuchen, Rivalinnen schlecht zu machen, um deren Wert zu mindern.“

Beide Autorinnen plädieren bei diesem wenig schmeichelhaften Bild über ihre Geschlechtsgenossinnen aber dafür, dass Frauen sich solidarisieren und lernen sollten, zusammenzuhalten, statt gegeneinander zu arbeiten. Cornils meint, dass Frauen von dem Prinzip der erfolgreichen Netzwerk-Solidarisierung von Männern lernen sollten. Die Wahrscheinlichkeit als Gruppe, in der sie sich bewegen, in Führungsspitzen anzukommen, sei größer. Frauen sollten sich zudem bewusst machen, wie ihr eigens Verhältnis zur Konkurrenz ist. Sie sollten lernen, sich im Wettbewerb zu begegnen und gegenseitig zu fördern. Nur so ist die Chance gegeben die „männliche Monokultur“ in den Führungsriegen aufzubrechen und die weibliche Stutenbissigkeit im Berufsleben zu beenden.

HR und Betriebsrat beziehungsweise Arbeitnehmendenvertretung haben dahingehend natürlich auch Einflussmöglichkeiten, zumal Personalverwaltungen in vielen Unternehmen überwiegend weiblich besetzt sind. Frauen zu fördern und nicht weiter von Top-Positionen auszuschließen, sollte schließlich auch im Interesse der Unternehmen sein. Denn gute Fach- und Führungskräfte fallen nicht vom Himmel, und da können reine Männerbünde sich als Bremse erweisen, die Besten der Besten nach oben kommen zu lassen.

Schaut man sich die deutsche TV-Werbung an, gibt es heute kaum ein großes Unternehmen, das sich nicht betont bunt und divers zeigt. Diese Diversität scheint bei Frauen aber oft aufzuhören, wenn sie in den TV-Spots weiterhin das „Puttchen Brammel vom Dienst“ abgeben und sich dieses Bild im Job fortsetzt.

Die HR-Software von rexx systems unterstützt im Bereich Talent Management auf vielfältige Weise Frauen bei der Karriereförderung. Das reicht von 360-Grad-Feedback über Fort- und Weiterbildung bis hin zur Nachfolgeplanung. Erhalten Frauen in dieser Hinsicht nach mehr Aufmerksamkeit, so kommt keine Stutenbissigkeit auf. Abgesehen davon können Männer ebenso zickig sein und nachtreten, wenn es ihrer Karriere dient oder sie den anderen als schwach empfinden. Und möglicherweise ist es eben dieser häufig beobachtete Mangel an Respekt, warum sie Frauen nicht gerne die Karrierestufe erklimmen, sehen. HR und Betriebsrat sollten bemüht sein, dem entgegenzusteuern und die rote Karte zeigen, wenn es allzu offensichtlich ist.

 

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2. August 2021

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