Kündigungsschutzgesetz und strukturiertes Offboarding: vom guten Umgang mit Mitarbeitenden während der Austrittsphase

Steuert ein Beschäftigungsverhältnis dem Ende zu, sollte der Arbeitgeber dennoch darauf achten, dass seine Werte bis zum letzten Tag gewahrt bleiben. Während das Kündigungsschutzgesetz die Rahmenbedingungen steckt, damit eine Kündigung wirksam wird, muss das Unternehmen einem technischen Prozess für das Offboarding folgen. Auch Emotionen sollten bis zum Ende ernst genommen werden.

Das Kündigungsschutzgesetz: Rahmen für rechtswirksame Kündigungen

Ohne Begründung und willkürlich kündigen? In den meisten Betrieben funktioniert das nicht, denn das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) schützt den Arbeitnehmer vor ungerechtfertigten Kündigungen. Es sind drei Arten von Kündigungsgründen zu unterscheiden, durch die eine ordentliche Kündigung wirksam wird:

  • Personenbedingte Gründe, die sich auf die Person beziehen (z. B. langanhaltende Krankheit)
  • Verhaltensbedingte Gründe, die sich auf das Verhalten beziehen (z. B. Diebstahl, mehrfaches unentschuldigtes Fehlen, wiederholte Arbeitsverweigerung)
  • Betriebsbedingte Gründe nach sozial gerechtfertigter Auswahl (z. B. infolge von Auftragsmangel oder Restrukturierung)

Darüber hinaus gibt es für Arbeitgeber die Möglichkeit, bei besonders schweren Verfehlungen eine außerordentliche Kündigung nach BGB auszusprechen. Das Kündigungsschutzgesetz hingegen regelt die Änderungskündigung, mit der der Arbeitgeber das bestehende Arbeitsverhältnis kündigt, aber zugleich ein Angebot über ein geändertes Arbeitsverhältnis macht. Und auch die Eckdaten des Aufhebungsvertrags sind geregelt, mit denen beide Parteien ein Arbeitsverhältnis einvernehmlich beendigen können, zum Beispiel gegen Zahlung einer Abfindung.

Wie das Kündigungsschutzgesetz vor unrechtmäßigem Arbeitsplatzverlust schützt

Ein sicherer Arbeitsplatz gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen. Offboarding-GesprächAus diesem Grund gibt es seit 1951 das Kündigungsschutzgesetz (KSchG), das in seiner jetzigen Fassung seit 1969 existiert, von einigen Anpassungen abgesehen. Das Kündigungsschutzgesetz schützt den Arbeitnehmer vor dem Missbrauch von Kündigungen und dem damit verbundenen Verlust des Arbeitsplatzes.

Darüber hinaus übernehmen viele Arbeitgeber Verantwortung für ihre Mitarbeiter und sorgen durch einen gezielten, wertebasierten Offboarding-Prozess dafür, dass alle Beteiligten „im Guten“ auseinandergesehen. Das Offboarding ist ein wichtiger Baustein des Employer-Brandings zur positiven Gestaltung des Arbeitgeberimages.

Wer vom Kündigungsschutz profitiert

Das Kündigungsschutzgesetz gilt für alle Angestellten und Arbeiter, nicht jedoch für selbständige und freiberufliche Personen. Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen beispielsweise für Geschäftsführer und leitende Angestellte, deren Arbeitsverhältnisse oftmals über Aufhebungsverträge beendet werden. Wer eine Kündigung erhält, hat nach dem Zugang der schriftlichen Kündigung drei Wochen Zeit, um Kündigungsschutzklage zu erheben und so gegen die bevorstehende Kündigung vorzugehen.

Ausnahmen und Besonderheiten im Kündigungsschutz

Kleinbetriebe mit nur zehn oder weniger Mitarbeitern fallen nicht unter das Kündigungsschutzgesetz. Sie müssen also keinen besonderen Kündigungsgrund vorweisen, um wirksam kündigen zu können. Zudem gibt es einige Zielgruppen, die einen besonderen Kündigungsschutz über das KSchG hinaus haben:

  • Personen, die als Betriebsrat tätig sind, sind während ihrer Amtszeit und darüber hinaus unkündbar.
  • Schwangere, Stillende sowie Mütter und Väter in Elternzeit besitzen einen weiterführenden Kündigungsschutz.
  • Auszubildenden steht nach dem Berufsbildungsgesetz ein besonderer Kündigungsschutz zu – nach der Probezeit können sie nicht mehr ohne Weiteres ordentlich gekündigt werden.

Auch im Kündigungsprozess die Etikette wahren

Um die Etikette zu wahren, sollte im Falle einer Kündigung ein persönliches Gespräch mit dem Arbeitnehmer, der Personalabteilung und der Führungskraft geführt werden. Respekt und Wertschätzung sind dabei gute Berater.Kündigungsprozess

In diesem Gespräch werden offene Konflikte aus der Welt geschafft. Ziel ist, dass alle Beteiligten im Guten auseinandergehen. Fühlt sich der ausscheidende Arbeitnehmer schlecht behandelt oder bekommt er das Gefühl, dass ihm übel mitgespielt wird? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er anschließend schlecht über seinen ehemaligen Arbeitgeber spricht und dessen Image so einen nachhaltigen Schaden zufügt.

Diesem Imageschaden beugen Arbeitgeber durch offene Gespräche vor dem Ausscheiden des Mitarbeiters vor. Eine transparente und wertschätzende Trennung ermöglicht es zudem, mit dem Mitarbeiter in Kontakt zu bleiben und auf dessen Know-how in der Zukunft weiter zurückgreifen zu können.

Offboarding: Jeder Arbeitgeber profitiert von einem strategischen Exit-Management

Das Exit Management plant den Prozess nicht erst vom Zeitpunkt der Kündigung an, sondern setzt bereits früher ein, um Fristen einzuhalten, Maßnahmen effizient durchzuführen und den Prozess des Offboardings für alle Beteiligten transparent und ehrlich zu gestalten.

Wenn der Arbeitgeber die Kündigung ausspricht, liegen oft noch ungeklärte Konflikte in der Luft. Hierfür bietet das Offboarding gute Möglichkeiten, dem Mitarbeiter eine Beratung hinsichtlich seiner Entwicklungsperspektive zu geben und ihm bei seiner beruflichen Neuorientierung Hilfestellungen zu geben. Beendet hingegen der Mitarbeiter auf eigenen Wunsch das Arbeitsverhältnis, geben gemeinsame Gespräche noch Optionen, um dessen Aufgaben und Wissen sinnvoll neu zu verteilen.

Klare Vorteile durch einen effizienten Offboarding-Prozess

Ein Unternehmen mit einem sicheren Exit-Fahrplan punktet auf vielen Ebenen und sorgt neben einem geordneten Austritt des Mitarbeiters aus dem Unternehmen noch für ein gutes Employer-Branding. Die Vorteile des Offboardings im Überblick:Offboarding-Prozess

  • Struktur: Vom Onboarding bis Offboarding tritt das Unternehmen professionell auf und alle Vorgänge sind sauber dokumentiert.
  • Positives Employer-Branding: Das Unternehmen hinterlässt einen wertschätzenden und bleibenden Eindruck, der auch durch ehemalige Mitarbeiter weitergetragen wird.
  • Streitigkeiten: Arbeitgeber beugen einem Rechtsstreit vor.
  • Möglichkeit der Rückkehr: Dem Mitarbeiter wird signalisiert, dass einer möglichen Rückkehr nichts im Wege steht.
  • Übergaberegelung: Der ausscheidende Mitarbeiter kann seinen Nachfolger strategisch in den neuen Aufgabenbereich einführen.
  • Wissenssicherung: Ausreichend Zeit und eine gute Dokumentation sichern Wissen und hinterlassen keine Lücken.

Gut strukturierte Offboarding-Prozesse sparen Zeit, vermeiden Fehler und reduzieren das Risiko, dass negativ über das Unternehmen, einzelne Führungskräfte oder Kollegen gesprochen wird. Darum eignet sich ein professionelles und digitalisiertes Exit-Management nicht nur für große Konzerne, sondern auch für kleine und mittelständische Unternehmen.

Programmgestütztes Offboarding: Unterstützung durch Software

Das Exit-Management kann durch Software-Programme gesteuert werden, so dass alle Schritte zur rechten Zeit erfolgen und alle betroffenen Personen involviert werden. Das Einhalten der Meilensteine im Offboarding ist von großer Bedeutung. Die klassischen Prozess-Schritte sind:

  • Austrittsmitteilung: Zeitnah, transparent und kooperativ.
  • Offboarding-Gespräch: Offenes Gespräch über die Gründe und die geteilten Erfahrungen.
  • Nachfolgeplanung: Einbeziehung des derzeitigen Stelleninhabers und Dokumentation der bisherigen Tätigkeiten.
  • Zeugniserstellung: Mit Feedback-Schleife durch den Arbeitnehmer.
  • Rückgabe: Rückgabe der Zugangskarten und Arbeitsmittel.
  • Kontakt: Sich über Berufsnetzwerke verlinken und den Austausch wahren.
  • Verabschiedung: Abschiedsfeier oder Danksagung. Positive Verabschiedung und eine positive Bewertung im Internet hinterlassen.

Ein gut strukturiertes Offboarding fördert eine positive Erfahrung des Arbeitnehmers beim Ausscheiden aus dem Unternehmen und verhindert effektiv mögliche Schäden am Arbeitgeberimage.

 

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11. November 2021

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