Trends im Azubi-Recruiting: Homeoffice, Videobewerbung & Marketing

Was Erwachsenen im Recruiting-Prozess gefällt, muss nicht zwingend auch für junge Menschen passend sein. In der aktuellen Studie „Azubi-Recruiting Trends“, die vom Januar bis März 2021 im Rahmen einer Zusammenarbeit von U-Form Testsysteme mit der Hochschule Koblenz entstand, untersuchten die Verantwortlichen, wie sich Schüler, Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche den idealen Recruiting-Prozess vorstellen.

Trends im Azubi-Recruiting

Das Ungleichgewicht verstärkt sich

Seit einigen Jahren verändert sich der Ausbildungsmarkt. Zum einen sinkt das Ausbildungsangebot – von 538.300 Lehrstellen im Ausbildungsjahr 2018/2019 auf 480.500 Stellen im Jahr 2020/2021. In ähnlichem Maße hat sich allerdings auch die Zahl der Bewerber verändert – von 479.400 auf 404.400 Kandidaten. Hinzu kommt, dass Bewerber und Arbeitgeber immer häufiger nicht zueinanderpassen. Die Corona-Pandemie ist für dieses Ungleichgewicht nicht verantwortlich, hat die mangelnde Passgenauigkeit zwischen Stellen und Bewerbern jedoch verstärkt.

Zunehmend stellt sich ein Bewerbermarkt ein, in dem junge Menschen nicht mehr händeringend einen Ausbildungsplatz suchen, sondern die Arbeitgeber um die Auszubildenden buhlen. 71 Prozent der Auszubildenden erhielten der Studie zufolge mehr als ein Angebot für einen Ausbildungsvertrag. Gut zwei Drittel konnten sich sogar einen Platz im gewünschten Beruf sichern. Für die Arbeitgeber bedeutet dies: Sie müssen sich noch mehr auf die Bedürfnisse der Auszubildenden einstellen und deren Wünsche kennen. Doch welche Erwartungen haben junge Menschen eigentlich an ihren Ausbildungsbetrieb? Dieser Frage ist die Studie ebenfalls nachgegangen.

Trend #1: persönlicher Kontakt vor digitalen Prozessen

Persönlicher Kontakt im Azubi-RecruitingTrotz aller Medienaffinität bevorzugen Schüler und Auszubildende den persönlichen Kontakt zu ihrem künftigen Ausbilder. Nach ihrer Auffassung zu Video-Jobinterviews gefragt, sind sich Auszubildende und Ausbilder weitgehend einig. Nur 13,2 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen sind sicher, dass sie Bewerber über ein Videobewerbungsgespräch ebenso gut kennenlernen können wie über ein klassisches Bewerbungsgespräch. Bei den Schülern und Auszubildenden ist der Anteil mit 16 Prozent ähnlich gering. Auf beiden Seiten bevorzugen jeweils rund neun von zehn Befragten auch in Zukunft das Bewerbungsgespräch vor Ort.

Übrigens: Auch die Bewerbung per Video ist für viele junge Menschen kein Thema. Mit 1,7 Prozent möchte sich nur ein verschwindend geringer Teil der befragten Schüler und Auszubildenden am liebsten per Video bewerben – die Masse bevorzugt ein Online-Formular. Das passt auch zu den Ausbildungsbetrieben, von denen nur jeder zehnte überhaupt Bewerbungen im Videoformat annimmt.

Trend #2: Homeoffice in der Ausbildung als Zukunftsmodell

Mehr als jeder zweite Azubi hat 2020 im Homeoffice gearbeitet, davon über 40 Prozent mindestens die Hälfte der Arbeitszeit. 28 Prozent sind sicher, dass das Homeoffice die Qualität ihrer Ausbildung zum Schlechteren verändert hat. Demgegenüber stehen jedoch mehr als 70 Prozent, für die der Arbeitsort entweder keine Rolle spielt oder die sogar eine verbesserte Ausbildungsqualität wahrgenommen haben. Kein Wunder also, dass sechs von zehn Auszubildenden der Auffassung sind, Homeoffice solle auch nach der Krise fest zur Ausbildung gehören. Allerdings möchten nur drei von zehn Ausbildungsbetrieben ihren Azubis zukünftig das Homeoffice ermöglichen.

Trend #3: auf die Zielgruppe angepasstes Marketing

Marketing für das Azubi-RecruitingTrotz ihrer starken Präsenz in den neuen Medien sind Freunde und Familie noch immer die wichtigste Informationsquelle rund um Ausbildungsberufe: Jeder zweite Schüler fragt seine Angehörigen um Rat. Fast ebenso viele nutzen Karrierewebsites, um sich über Ausbildungsberufe zu informieren. Nur jeweils ein Drittel der Schüler informiert sich über die Agentur für Arbeit und Jobbörsen. Zwischen 15 und 27 Prozent der Bewerber nutzen Berufsbildungsmessen, Schülerpraktika, Social-Media-Auftritte und schulische Informationsquellen.

Arbeitgeber sollten diese bevorzugten Informationsquellen bei ihrem Schülermarketing berücksichtigen. Gutes Informationsmaterial für Schüler und Eltern spielt dabei ebenso eine Rolle wie eine ansprechende Karrierewebsite, die intuitiv zu bedienen ist und die wichtigsten Fragen der Jugendlichen beantwortet. Bereits jeder dritte Arbeitgeber setzt auf die Suchmaschinenoptimierung seiner Informationsangebote rund um die Ausbildung. Google-Anzeigen für die Ausbildungsstellen (SEA) sind nur für jedes zehnte Unternehmen ein Thema.

Trend #4: bevorzugter Weg für die Bewerbung

Jeder zweite Schüler möchte sich am liebsten per Online-Formular auf der Website des Arbeitgebers bewerben. Die Bewerbung per E-Mail bevorzugt immerhin fast jeder dritte der Befragten. Nur etwa jeder Siebte bewirbt sich noch gerne in Papierform. Telefonische Bewerbungen spielen ebenso wie Videobewerbungen eine untergeordnete Rolle. Diese Wünsche passen zum Angebot der Ausbildungsbetriebe: Jeweils mehr als sieben von zehn Unternehmen ermöglichen Bewerbungen per Online-Formular oder per E-Mail. Die Bewerbung in Papierform ist aber weiterhin in der Mehrzahl der Betriebe möglich. Video- und Telefonbewerbungen sind auch für sie meist keine Option.

Trend #5: mehr Transparenz auf Karrierewebsites

Transparenz im Azubi-RecruitingDanach gefragt, welche Informationen sich die Schüler auf den Karrierewebsites der Ausbildungsbetriebe wünschen, nennen sie vor allem diese Faktoren:

  • Angaben zur Übernahmequote nach der Ausbildung
  • Informationen zum Verdienst während der Ausbildung und nach der Übernahme
  • Angaben zur Dauer bis zu einer Rückmeldung auf die Bewerbung

Immerhin: Das Gehalt während der Ausbildung geben sechs von zehn Arbeitgebern bekannt. Zur Übernahmequote hingegen äußern sich nur noch zwei von fünf Ausbildungsbetrieben. Die Verdienstmöglichkeiten nach der Ausbildung werden hingegen kaum thematisiert, ebenso wie die Dauer bis zur Reaktion auf die Bewerbung.

Hier sollten sich Arbeitgeber um mehr Transparenz bemühen. Machen sie es dem Bewerber zu schwer, an die gewünschten Informationen zu gelangen, entscheidet er sich möglicherweise für ein anderes Ausbildungsangebot.

Erwartung vs. Realität: Enttäuschungen vermeiden

Gut strukturierte Marketing- und Employer-Branding-Kampagnen zeichnen den Bewerbern ein umfassendes Bild von der Ausbildung im Unternehmen. Das Problem ist nur: Oft „über“zeichnen sie es sogar. Nur jeder vierte Azubi hat während der Ausbildungszeit den Eindruck gewonnen, dass die Arbeitsaufgaben tatsächlich dem Bild entsprechen, das das Marketing des Ausbildungsbetriebs vermittelt hat. Auch beim Arbeitsklima, bei den Leistungen und der Ausbildungsqualität gibt es noch Nachholbedarf in Sachen Realismus.

Ausbildungsbetriebe, die sich die Top-Talente von morgen sichern wollen, sollten einerseits auf Transparenz, andererseits auf eine große Portion Realismus setzen. Sich selbst in ein positiveres Licht zu rücken als angemessen, hinterlässt bei Schülern und Auszubildenden keinen guten Eindruck.

 

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6. Oktober 2021

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