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Lohndruck in der Inflation: Kommt die Lohn-Preis-Spirale?

01.08.2022
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Lohndruck in der Inflation: Kommt die Lohn-Preis-Spirale?

01.08.2022

Sonnenblumenöl +85,3 Prozent, Heizöl +89,1 Prozent, Butter +46 Prozent – die Verbraucher bekommen hart zu spüren, was in politischen Kreisen längst kein Novum mehr ist: Die Inflation fängt an zu galoppieren. Gerade Arbeitnehmer in schlechter bezahlten Jobs belastet die Situation schwer. Der Lohndruck in der Inflation steigt – und ein Ende ist nicht in Sicht. Eine Bestandsaufnahme.

Entwicklung der Inflation 2022

Am 24. Februar 2022 überfielen russische Soldaten die Ukraine. Die dort herrschenden Kriegsverhältnisse haben der zuvor bereits in gemächlicherem Tempo kletternden Inflation neuen Aufschub gegeben. Zum Vergleich:

  • 2019 bewegte sich die monatliche Inflationsrate zwischen 1,1 und 2,0 Prozent.
  • 2020 lag sie teilweise mit bis zu -0,3 Prozent sogar im negativen Bereich.
  • Seitdem steigt sie konsequent an, vom Januar 2021 mit 1,0 Prozent auf 5,3 Prozent im Dezember 2021.
  • Der Ukrainekonflikt führte im März 2022 zu einem plötzlichen Anstieg auf 7,3 Prozent. Im Juni 2022 lag sie zuletzt bei 7,6 Prozent.

Für die Arbeitnehmer bedeutet dies eine enorme Belastung ihres Geldbeutels. Und wer schon vor der Krise oft nur knapp mit seinem Gehalt hingekommen ist, muss sich jetzt mitunter deutlich einschränken. Dass der Ruf nach Lohnsteigerungen seitens der Arbeitnehmer und Gewerkschaften da nicht weit ist, überrascht in dieser Situation nicht. Viele Mieter fürchten schon jetzt die nächste Nebenkostenabrechnung, die wahrscheinlich mit horrenden Nachzahlungen verbunden sein wird.

Die Arbeitnehmer brauchen mehr Geld

Die Gewerkschaften haben erkannt: Die Arbeitnehmer brauchen einen Inflationsausgleich. Sie fordern höhere Löhne für ihre Mitglieder. Ziel ist, die Löhne an die Inflation anzupassen, also in gleichem Maße zu erhöhen. Die Arbeitgeber hingegen bewerten die Situation ganz anders. Sie sehen sich nicht in der Lage, höhere Löhne zu zahlen, weil auch die Preise für Energie und Rohstoffe in den vergangenen Monaten in ungekannte Höhen geklettert sind.

Zudem bekäme das Problem dadurch eine neue Komponente: Erhöhen die Unternehmer die Löhne der Arbeitnehmer, um die Inflation auszugleichen, werden auch die Preise für die produzierten Waren in entsprechender Höhe steigen. Das befeuert die Inflation zusätzlich und verlagert das Problem lediglich für kurze Zeit, bis die Preissteigerungen den Markt dann mit voller Härte treffen.

Die Gefahr: eine Lohn-Preis-Spirale

Auf den ersten Blick scheinen Lohnsteigerungen die einzig logische Konsequenz zu sein. Doch Arbeitgeber ebenso wie Wirtschaftsexperten fürchten, dass sich eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnte, die nur noch schwer aufzuhalten wäre. Im schlimmsten Fall könnte die Entwicklung sogar in eine Stagnation oder eine Rezession münden.

Aus Sicht der Arbeitgeber liegt der Inflationsausgleich nicht in Händen der Arbeitgeber. Dieser Auffassung ist zumindest der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger, der in der Tagesschau sagte: „Politisch getriebene Energiepreise müssen auch von der Politik korrigiert werden“.

Die Gewerkschaften sind hingegen der Auffassung, dass sich die Arbeitgeber nicht aus ihrer Verantwortung gegenüber ihren Arbeitnehmern stehlen dürfen. Die neue Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Yasmin Fahimi fürchtet, dass die Arbeitgeber die Krisenbewältigung an die Beschäftigten abwälzen wollen.

Weitere Entlastungspakete der Bundesregierung

Die aktuellen Entlastungspakete der Bundesregierung – darunter der einmalige Heizkostenzuschuss, steigende Steuerfreibeträge, die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe oder der Kinderbonus – zeigen bereits erste Wirkung. Zwar konnten sie keine nennenswerte Senkung der Inflation bewirken. Doch immerhin konnte die Inflation auf hohem Niveau stabilisiert werden.

Thorsten Schulten, Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), fordert weitere Maßnahmen seitens der Bundesregierung, um die Belastung zu verringern. Er bringt einen Gaspreisdeckel in die Diskussion ein, der die Verbraucher vor horrenden Nachzahlungen im Winter schützen soll.

Der Fokus sollte dabei vorrangig auf den unteren Lohngruppen liegen. Sie leiden am stärksten unter der Inflation. Dies könnte durch staatliche Entlastungspakete realisiert werden, die vor allem Geringverdienern zugutekämen.

Wurde die Lohn-Preis-Spirale bereits in Gang gesetzt?

Im ersten Quartal 2022 sind die Nominallöhne um 4,0 Prozent gestiegen, berichtet das Statistische Bundesamt. Im Großen und Ganzen ist das eine recht normale Entwicklung, verglichen mit den Vorjahren. Bereinigt man diese Erhöhung allerdings um die vorherrschende Inflation, stellt sich heraus, dass die Löhne real gesehen sogar gesunken sind. Im ersten Quartal 2022 lag der Reallohnindex aufgrund der hohen Inflation bei -1,8 Prozent.

Da der starke Anstieg der Inflation erst ab März 2022 zum Tragen gekommen ist, werden die Ergebnisse des zweiten Quartals 2022 voraussichtlich eine noch deutlichere Sprache sprechen. Der Lohndruck hat bereits zu einer gewissen Eigendynamik geführt. Ob sich die Entwicklung zu einer Lohn-Preis-Spirale noch aufhalten lässt, wird die Zukunft zeigen müssen. Dies hängt zum einen von den Entlastungspaketen ab, die die Bundesregierung noch auf den Weg bringen wird. Zum anderen aber auch von anderen Faktoren wie etwa dem weiteren Fortgang des Ukrainekonflikts und der Entwicklung der COVID-19-Pandemie im Winter 2022/2023.

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