Podcast goes Social Media: Ist Clubhouse „the next big thing“ für HR?

Clubhouse. Alle sprechen drüber – aber erstaunlich wenige wissen bisher wirklich Bescheid. Kein Wunder: So mancher hat es noch nicht am Türsteher vorbeigeschafft. Was es mit der Social-Media-App auf sich hat, ob das neue Audio-Medium tatsächlich Chancen für HR bietet und welche Schlaglöcher die App mitbringt, klären wir in diesem Artikel.

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Zutritt nur mit Einladung: Ey, du kommst hier nicht rein!

Wer in diesen Tagen schon die angesagte Clubhouse-App heruntergeladen hat (bislang nur für iOs verfügbar), wird vielleicht schon die erste Enttäuschung erlebt haben. Hat man nämlich keine Einladung von einem wohlwollenden Menschen aus seinem Netzwerk bekommen, darf man vorerst zwar ein Profil anlegen, aber noch keine Szeneluft schnuppern. Die Macher von Clubhouse, die US-Amerikaner Pete Davison und Rohan Seth, setzen nämlich auf das Türsteher-Prinzip: In die Social-Media-Audio-App kommt nur rein, wer eine Einladung bekommen hat. Das verleiht dem Ganzen einen Anstrich von Exklusivität – und macht Clubhouse damit von jetzt auf gleich um ein Vielfaches interessanter.

Was ist Clubhouse überhaupt?

Die Clubhouse-App wurde erst im März 2020 gelauncht und ist bislang nur für Apple-Geräte verfügbar (eine Android-Version ist in Vorbereitung). In den vergangenen Monaten wurde die App in den USA bereits stark gehyped, nicht zuletzt auch, weil viele bekannte Stars und Influencer die App für den gegenseitigen Austausch nutzen und es ein ganz neues Format ist, das anders als bei Podcasts echte Interaktion ermöglicht.

Dass der Hype gerade jetzt nach Deutschland überschwappt, ist sicher kein Zufall. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Auflagen sehnen sich die meisten Menschen nach mehr Kontakt. Wer sich in Clubhouse stark engagiert, entwickelt schnell ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Die Nutzung von Clubhouse erfolgt nach diesen Prämissen:Clubhouse-nutzen

  • Jeder Nutzer kann einen virtuellen Raum (Panel) erstellen, in dem er sich mit anderen Mitgliedern im Live-Audio-Stream zu bestimmten Themen austauschen kann.
  • Die Voice-Chat-Räume können für jedermann (Open), nur für Follower (Social) oder nur für bestimmte Personen (Closed) freigegeben werden.
  • Es gibt einen Moderator (Initiator des Panels), einen oder mehrere geladene Speaker für die Diskussion sowie beliebig viele Teilnehmer (Listener), die den Talk verfolgen können.
  • Beteiligt sich ein Teilnehmer an einer Diskussion, erhalten seine Kontakte eine Push-Benachrichtigung darüber. Dadurch steigen viele User spontan mit ein, wenn das Thema für sie interessant ist.

Um teilnehmen zu können, legen sich die Teilnehmer ein Profil in Verknüpfung mit ihrer Telefonnummer an und informieren damit andere Mitglieder über den Wunsch, der Community beizutreten. Diese können dann eine Einladung aussprechen. Interessant: Wer die Einladung ausspricht, ist mit dem neuen Teilnehmer dauerhaft verknüpft – er erhält Benachrichtigungen über dessen Aktivitäten und im Profil werden die eingeladenen Personen vermerkt. Dadurch sollen die Teilnehmer genau überlegen, wen sie einladen möchten – und wen nicht.

Clubhouse & HR: Dieser Mix kann so einiges rocken

Die HR-Szene indes malt sich schon die nächsten großen Trends aus. So einfach das Konzept von Clubhouse auch sein mag, es bietet einige spannende Möglichkeiten, die Unternehmen nutzen können. Vorstellbar sind unter anderem diese Nutzungsmöglichkeiten:

Und immerhin: Die Zielgruppe lässt diese Nutzungsmöglichkeiten durchaus in greifbare Nähe rücken. Im Gegensatz zu schnelllebigen Social-Media-Kanälen wie TikTok tummeln sich auf Clubhouse bislang weniger Schüler und Jugendliche. Stattdessen adressieren HR-Professionals hier Berufstätige und Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet.

Personaler können sich dem Charme der App nicht entziehen. Selbst wenn sie sich nicht dafür entscheiden, sich aktiv an der Audio-Community zu beteiligen, müssen Sie sie kennen. Insbesondere wenn sich ihre Zielgruppe für das Recruiting dort aufhält, müssen sie die Mechanismen der neuesten Plattformen und Social-Media-Trends kennen.

Tipp: Was bietet Clubhouse also und wie genau können die HRler die App für ihre Zwecke nutzen? Diese und weitere Fragen beantwortet in der aktuellen Folge von rexxperts Podcast der Personalmarketing-Experte Hannes Beierlein von der Innovations- & Kommunikationsberatung „Evernine Group“.

Einer gewissen Kritik kann sich Clubhouse nicht entziehen

Doch was bleibt übrig, wenn man die Clubhouse-App „abschminkt“, den Reiz des Neuen und Exklusiven weglässt und nur die Fakten unter die Lupe nimmt? Auf jeden Fall eine ganze Reihe Kritikpunkte, die zumindest für den Moment nicht wegzudiskutieren sind:

  • Operative HR-Arbeit: Die anfängliche Euphorie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Clubhouse für die operative Personalarbeit bislang noch keine wirkliche Erleichterung darstellt.
  • Zeitfresser: Audioformate sind innovativ und im Trend – aber leider auch enorm zeitraubend. Bei Clubhouse kommt jetzt noch neu hinzu, dass man sie zu dem Zeitpunkt anhören muss, wenn sie stattfinden – Aufzeichnungen gibt es nicht.
  • Zielgruppe: Zumindest aktuell scheinen sich auf Clubhouse noch vorrangig Personen aus dem Online-Marketing-Umfeld zu bewegen. Wer also gerade keinen Socia-Media-Manager einstellen möchte, findet möglicherweise nicht die richtige Zielgruppe vor.
  • Datenkrake: Schon jetzt ist klar – Clubhouse hat das Zeug zur Datenkrake. Nicht nur, dass bei der Registrierung das gesamte Adressbuch auf dem Smartphone für die App freigegeben werden muss – rein datenschutzrechtlich hoch bedenklich –, Clubhouse speichert auf Servern außerhalb von Europa Aufzeichnungen der Live-Streams (angeblich verschlüsselt).
  • Nutzungsbedingungen: Auch wenn sich in der Praxis kaum jemand daran hält, ist die geschäftliche Nutzung von Clubhouse durch die Nutzungsbedingungen untersagt. Wo hier die Grenze zu ziehen ist, ist jedoch unklar.
  • Hürden für die HR-Arbeit: Die „hauseigenen“ Barrieren hindern Personaler daran, die App für das Recruiting zu nutzen, etwa weil durch die Zutrittsbeschränkungen nicht jeder Bewerber beliebig beitreten kann. Auch die Sichtbarkeit aller Teilnehmer ist im Recruiting eher kontraproduktiv.
  • Reichweite: Durch die exklusive Beschränkung der Teilnehmer ist die Reichweite des Mediums aktuell noch beschränkt. Auch langfristig macht Clubhouse nicht den Eindruck, dass sich damit Massen erreichen lassen – für qualitative Leads könnte das Medium hingegen genau richtig sein.

Zu guter Letzt bleibt auch noch die Frage, ob HR-Professionals wirklich auf jeden Zug aufspringen müssen. Macht es nicht eher Sinn, sich auf wenige Kanäle zu beschränken und diese dafür mit vollem Herzen zu bedienen? Hier muss jeder Personaler entscheiden, ob das Unternehmen Clubhouse zusätzlich in seinem Portfolio benötigt.

Neuer Trend oder Eintagsfliege: Wird sich Clubhouse halten?

Dass Clubhouse gerade einschlägt wie eine Bombe, liegt an mehreren Faktoren. Durch die Kontaktbeschränkungen in Folge der Corona-Pandemie sind die Leute aktuell offen für Formate, die den Austausch untereinander ermöglichen.

Clubhouse_personalmanagement_themenZudem haben sie mehr Zeit als sonst, wenn private Veranstaltungen locken. Hinzu kommt das Gefühl der Exklusivität, weil nicht einfach jeder teilnehmen kann. Eine Rolle spielt auch die „Fear of Missing out“, die Angst etwas zu verpassen. Sie stellt sich oft schon nach der ersten Teilnahme ein und verströmt einen gewissen Suchtfaktor.

Langfristig wird sich erst noch zeigen müssen, ob Clubhouse die in die App gesetzten Hoffnungen erfüllen kann oder ob das Interesse abflaut. Diese Entwicklung wird von vielen Faktoren beeinflusst werden:

  • Wie schnell entwickelt die Konkurrenz vergleichbare Alternativen?
  • Werden die Leute die für Audioformate nötige Zeit auch dann noch aufbringen, wenn die Beschränkungen durch die Pandemie gelockert werden?
  • Wie schnell wird der Reiz des „Neuen“ nachlassen?
  • Welche Möglichkeit der Monetarisierung werden die Gründer nutzen?

Clubhouse hat gute Überlebenschancen – immerhin handelt es sich um einen völlig neuen Social-Media-Ansatz, der auf einem Audioformat mit Möglichkeiten der Interaktion verknüpft ist. Das hebt Podcasts auf eine ganz neue Ebene. Für den Moment genießen alle den ungezwungenen Austausch zu spannenden und innovativen Themen. Was langfristig daraus wird? Wir wissen es auch nicht. Aber wir verfolgen die Entwicklungen mit Spannung.

Wie sehen Sie Clubhouse? Haben Sie es schon getestet oder warten Sie erst einmal ab, wie sich die Sache entwickelt? Diskutieren Sie mit – wir freuen uns auf Ihre Meinung!

 

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15. Februar 2021

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