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Quiet Quitting: Modernes Phänomen, Hilferuf oder Chance?

22.09.2022
Quiet Quitting
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Quiet Quitting: Modernes Phänomen, Hilferuf oder Chance?

22.09.2022

Quiet Quitting beschäftigt ausgehend von einer Bewegung in den USA nunmehr auch die deutsche Arbeitswelt. Handelt es sich dabei rein um ein modernes Phänomen der Zeit oder stecken tiefere persönliche Beweggründe der Mitarbeiter dahinter? Quiet Quitting lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Der Begriff des Quiet Quittings

Wörtlich übersetzt bedeutet Quiet Quitting „stille Kündigung“. Auch der Begriff der inneren Kündigung wird in diesem Zusammenhang genannt. Allerdings entspricht diese Übersetzung laut Wirtschaftspsychologie nicht dem, was eigentlich hinter der Bezeichnung Quiet Quitting steckt.

Dieses Phänomen ist vielmehr zwischen zwei Extremen, nämlich einer starken emotionalen Bindung zum Arbeitgeber einerseits und einem reinen Kalkül aus Eigennutz andererseits, anzusiedeln. Das eine Extrem beschreibt Mitarbeiter, die sich übermäßig für das Unternehmen einsetzen, ohne dafür zusätzliches Entgelt zu erhalten. Im anderen Extrem sind es Mitarbeiter, die den Arbeitsplatz ausschließlich nutzen, um selbst voranzukommen, Geld zu verdienen und Karriere zu machen, bis sie einen lukrativeren Job finden.

Von innerer Kündigung zu unterscheiden

Quiet Quitting ist klar vom Begriff der inneren Kündigung zu unterscheiden. Mitarbeiter, die bereits innerlich gekündigt haben, sehen sich gedanklich schon bei einem anderen Unternehmen. Sie haben bislang nur deshalb keine Kündigung eingereicht, weil sie erst noch interessante Jobs bei anderen Arbeitgebern finden müssen.

Klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit

Anders sieht es bei Menschen aus, die sich im Quiet Quitting befinden. Sie haben keine Kündigungsabsicht, sondern ziehen klare Grenzen zwischen beruflichen Verpflichtungen und Privatleben. Diese Trennung machen sie in Form ihres Verhaltens am Arbeitsplatz gegenüber dem Arbeitgeber deutlich. Das bedeutet, dass diese Mitarbeiter „Dienst nach Vorschrift“ leisten und somit lediglich das Nötigste erledigen, das vertraglich von ihnen verlangt wird.

Quiet Quitting äußert sich darin, dass die Beschäftigten nicht bereit sind, Leistungen zu erbringen, die über das vereinbarte Maß hinausgehen. Sie möchten nicht nach Arbeitsschluss für berufliche Anrufe erreichbar sein oder spezielle Fleißaufgaben erledigen. Teilweise verzichten sie sogar auf bezahlte Überstunden und entscheiden sich stattdessen für „mehr Lebenszeit in Form von Freizeit“.

Quiet Quitting als Phänomen der Generation Z?

Diese Haltung ist eine typische Eigenschaft der Generation Z, die immer mehr in die Arbeitswelt eintaucht und ihre Vorstellungen gegenüber dem Arbeitgeber klar kommuniziert. So gesehen lässt sich der Begriff Quiet Quitting mit der Generation Z in Verbindung bringen, die eine strenge Trennung von Arbeit und Privatleben anstrebt. Die Jugend schätzt es, Freiräume zu haben und legt auf eine ausgewogene Work-Life-Balance mehr Wert als auf ein hohes Gehalt oder Ansehen.

Quiet Quitting ist allerdings kein reines Phänomen der jungen Generation, sondern lässt sich seit dem Pandemie-Beginn auch in Zusammenhang mit Arbeitnehmern anderer Altersgruppen beobachten. Viele Berufstätige haben pandemiebedingt ihre Lebensumstände hinterfragt und sich die Frage gestellt, welche Dinge ihnen wirklich wichtig sind. Dabei sind die Gesundheit sowie Familie und Freunde in den Fokus gerückt. Darüber hinaus haben sich viele Arbeitnehmer damit beschäftigt, ob sich die hohe Stressbelastung im Job, die vielerorts zur Selbstverständlichkeit geworden ist, lohnt.

Dieses Hinterfragen des beruflichen Über-Engagements wird durch den Personal- und Fachkräftemangel, mit dem viele Unternehmen unterschiedlicher Branchen zu kämpfen haben, zusätzlich befeuert. Arbeitnehmer treten selbstbewusster auf und sind immer weniger bereit, sich aus Angst vor einer Kündigung übermäßig zu engagieren. Sie wissen, dass Arbeitskräfte sehr gefragt sind, und nutzen diese Verhandlungsmacht, um für sich bessere Arbeitsbedingungen wie flexiblere Arbeitszeiten oder Homeoffice-Regelungen herauszuholen. Diese Forderung sollten Arbeitgeber nicht missverstehen und als Faulheit oder Leistungsverweigerung werten. Sie kann vielmehr dabei unterstützen, eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden.

Quiet Quitting als Hilferuf einzelner Mitarbeiter

In einer Welt, in der Menschen permanent digital erreichbar sind und die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit oftmals verschwimmen, rückt die Mitarbeitergesundheit zunehmend in den Fokus. Aus dieser Perspektive können Unternehmen Quiet Quitting auch als Hilferuf der Mitarbeiter werten, den sie jedenfalls hören und beachten sollten. Es ist wichtig, Verständnis für die Situation aufzubringen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Mitarbeiter, die Zusatzprojekte ablehnen, pünktlich nach Dienstschluss den Arbeitsplatz verlassen und danach keine beruflichen Anfragen mehr beantworten, tun dies vielleicht auch für ihre körperliche und mentale Gesundheit. Unternehmen können einen Beitrag leisten, indem sie diese Mitarbeiter nicht zusätzlich unter Druck setzen und ihnen stattdessen Wertschätzung entgegenbringen.

Veränderung der persönlichen Lebenssituation

Die Ursache für Quiet Quitting einzelner Mitarbeiter kann auch in einer Veränderung der persönlichen Lebenssituation zu finden sein. Mögliche Beispiele sind die Geburt eines Kindes, eine Krankheit, familiäre Probleme und die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen. Arbeitgeber stehen vor der Herausforderung, Ursachenforschung zu betreiben und herauszufinden, welche Arbeitnehmer betroffen sind und welche Unterstützungsmaßnahmen Abhilfe schaffen könnten.

Quiet Quitting als Chance, die Personalarbeit zu verbessern

Arbeitgeber müssen nicht befürchten, dass sich „Quiet Quitter“ in keiner Weise mit dem Unternehmen verbunden fühlen und schnellstmöglich kündigen werden. Sie können vielmehr den momentanen Trend um den Begriff Quiet Quitting zum Anlass nehmen, um einige Unternehmensbereiche zu überdenken und sich diesen Aspekten zu widmen:

  • Mitarbeiterzufriedenheit analysieren
  • Verbesserungspotenzial im Bereich Mitarbeitergesundheit prüfen
  • faires Entlohnungssystem einführen
  • Mitarbeiter nicht als leistungsorientierte Ressourcen, sondern als Individuen betrachten

Viele Arbeitgeber verkennen einen wichtigen Punkt: Nicht alle Mitarbeiter sind gleich. Sie haben individuelle Bedürfnisse, auf die sie individuell eingehen sollten. Sich mit dem Phänomen Quiet Quitting aktiv auseinanderzusetzen, bringt auch die Chance mit sich, die eigene Belegschaft näher kennenzulernen und die Mitarbeiter besser zu verstehen. Daraus ergeben sich mögliche Anhaltspunkte, welche Bereiche der Personalarbeit sich optimieren lassen.

Im Idealfall klären Arbeitgeber, ob es im Unternehmen selbst Gründe für Quiet Quitting gibt. Dies können beispielsweise regelmäßig geleistete, unbezahlte Überstunden oder lange Arbeitszeiten sein. Auch der Druck, nach Feierabend Zeit mit dem Chef oder den Kollegen verbringen oder sich im firmeneigenen Fitnessraum betätigen zu müssen, kann dazu führen, dass sich Mitarbeiter in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen und sich daher stärker vom Unternehmen entfernen. Arbeitnehmer, die Tätigkeiten ausüben, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen, können ebenfalls als Quiet Quitter auftreten.

Quiet Quitting ist mehr als ein modernes Phänomen der Zeit, das insbesondere der jungen Generation Z zuzuschreiben ist. Es kann auch eine veränderte Lebenssituation oder ein persönlicher Hilferuf einzelner Mitarbeiter dahinterstecken. Unternehmen können das „Trendthema Quiet Quitting“ aufgreifen und als Chance nutzen, die eigene Belegschaft näher kennenzulernen und die Personalarbeit zu verbessern.

 

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